Liquiditätsplanung Teil 2: Maßnahmen mit denen Sie ihre Liquidität verbessern

In unserem Blogbeitrag „Liquiditätsplanung mit Excel erstellen“ haben wir bereits erläutert, worauf es bei einer Liquiditätsplanung ankommt, wie eine solche am besten aufgebaut werden kann und was bei der Umsetzung, z.B. mit Excel, zu beachten ist.

In diesem Beitrag werden konkrete Schritte und Maßnahmen vorgestellt, mit denen Sie grundsätzlich ihre Liquidität verbessern können. Auf diese Weise bieten wir ihnen eine Checkliste verschiedener Maßnahmen, die Sie beim Auftreten von Liquiditätsproblemen (aber natürlich auch schon vorher im Rahmen ihres Liquiditätsmanagements) ergreifen können.

Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung

Grundüberlegungen zur Generierung von Liquidität

Zeichnet sich eine Liquiditätslücke ab, müssen sofort Maßnahmen ergriffen werden, um diese schnellst möglich zu schließen. Das kann die zeitlich befristete Erhöhung der Kontokorrent-Linie bei der Bank sein, aber auch die Verhandlung längerer Zahlungsziele bei den Lieferanten oder auch die Animation der Kunden zur schnelleren Zahlung (bspw. durch Skontogewährung) kommen in Frage.

Bei allen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und -verbesserung muss immer auf die individuelle Situation des Unternehmens eingegangen werden. Dabei spielt nicht nur die aktuelle „liquiditäts­mäßige Verfassung“, sondern häufig auch die Unternehmensgröße eine entscheidende Rolle.

Eine Lösung von der „Stange“ gibt es nicht!

Einige der in diesem Beitrag genannten Maßnahmen greifen kurzfristig (z.B. die Erhöhung einer Kreditlinie bei der Bank, Verschiebung von geplanten Investitionen), andere entfalten ihre Wirkung erst mit zeitlicher Verzögerung (z.B. Umstellungen bei Prozessen und Logistik, Sozialpläne etc.). Sobald das Unternehmen durch kurzfristige Maßnahmen wieder „Luft“ hat, sollten Sie sich mit den mittelfristig wirkenden, strukturellen Änderungen befassen.

Im Folgenden werden verschiedene praktische Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung vorgestellt. Die Auflistung erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit, noch kann garantiert werden, dass alle Maßnahmen für ihren spezifischen Fall auch tatsächlich umsetzbar sind. Verstehen Sie die Ansätze als Vorschläge bzw. Checkliste und seien Sie kreativ, um ihr Liquiditätsmanagement permanent zu optimieren.

Rechnungslegung und Buchführung

Die Sicherstellung einer raschen Fakturierung aller Lieferungen und Leistungen an die Kunden minimiert den betrieblichen Aufwand zur Vorfinanzierung. Folgende Sachverhalte sollten hierbei bedacht werden:

  • Zeitnahe und fehlerfreie Rechnungsstellung um Reklamationen der Kunden und damit Zahlungsverzögerungen vorzubeugen.
  • Auf allen Rechnungen sollte ein konkretes Fälligkeitsdatum angegeben werden. Es er­leichtert die Setzung von möglichen Nachfristen (ggf. den Kunden kürzere Zahlungsziele geben).
  • Ebenso sollte bei Skontogewährung ein konkretes Datum verwandt werden. Die Verein­barung von Skonto wirkt als Zahlungsanreiz. Die Bereitschaft, Skonto an Kunden zu ge­währen, sollten Sie in ihrer Kalkulation berücksichtigen.
  • Überwachung der Zahlungseingänge und rasche Mahnung bei verspätetem Zahlungsein­gang (ggf. innerbetriebliches Mahnwesen optimieren).
  • Insbesondere für KMUs mit Lieferungen und Leistungen an Endkunden: Zur Erleichterung der Zahlweise des Schuldners können bereits ausgefüllte Überweisungsträger der Rechnung beigefügt werden. Bei Stammkunden empfiehlt sich die Verwendung eines automatischen Abbuchungsverfahrens.

 

Working-Capital-Maßnahmen

Working-Capital-Maßnahmen die relativ kurzfristig wirken können, beziehen sich auf die Beschleunigung der Wertschöpfungskette vom Einkauf über die Produktion bis zum Begleichen der Rechnungen ihrer Kunden (= Debitoren). Folgende Ansatzpunkte bieten sich:

 

Auf Beschaffungsseite:

  • Warenlieferungen möglichst termingerecht zur Verarbeitung im Unternehmen bestellen (just-in-time) und (längere) Zahlungsziele bzw. (höhere) Skonti, Boni und Rabatte (vor allem mit austauschbaren Lieferanten) verhandeln.
  • Sofern sinnvoll und möglich Bestellungen bündeln (Rahmenaufträge nutzen), um Logis­tikkosten zu senken und Mindermengenzuschläge zu vermeiden.
  • Bestellwesen überprüfen und optimieren
  • Auf Schlüssellieferanten fokussieren, um eine Atomisierung der Lieferantenstruktur zu vermeiden. Eine vereinfachte und beschleunigte Abwicklung im Unternehmen reduziert Fallkosten.
  • Lagerbestände überprüfen und Vorratshaltung optimieren (Umschlagshäufigkeit). Das Warenwirtschafts-System gibt Hinweise welche weniger gängigen Artikel im Vorratslager ggf. abgebaut werden können („Renner-Penner“-Listen).

 

Auf Verkaufsseite:

  • Vereinbaren Sie mit Ihren Kunden wenn möglich eine Anzahlung oder Vorauszahlungen
  • Umgehende Fakturierung nach Produktfertigstellung bzw. Versandbereitschaft
  • auch Abschlagsrechnungen für teilfertige Leistungen stellen
  • Kontrolle und Sicherstellung des termingerechten Geldeingangs durch ein gut organisiertes Debitorenmanagement.

 

Forderungssicherung und Forderungsmanagement

  • Bonitätsprüfung insbesondere bei Neukunden (z.B. Bankauskünfte, Schufa, Creditreform, Schuldnerverzeichnisse etc.)
  • Bei großen Beträgen ggf. Vorkasse oder eine Bankbürgschaft verlangen
  • Neben der bereits erwähnten, kontinuierlichen Überwachung Ihrer Zahlungseingänge in Verbindung mit einem gut organisierten Mahnwesen kann es ggf. sinnvoll sein professionelle Inkassofirmen zu beauftragen, die ihnen beim Eintreiben ihrer Forderungen helfen.
  • Kunden mit Problemen den offenen Betrag in einer Summe zu zahlen ggf. Ratenzahlung anbieten
  • In bestimmten Fällen kann ein Forderungsverkauf an Factoring-Gesellschaften kurzfristig Liquidität bringen. Das ist zwar erst ab einer gewissen Forderungshöhe machbar und kostet mindestens 5% der Forderungssumme, allerdings bekommen Sie ca. 80% ihres Forderungsbetrages innerhalb weniger Tage überwiesen.

 

Betrieblichen Kosten und Investitionen

Insbesondere die Personalkosten stellen häufig den größten Kostenfaktor dar, hier bieten sich verschiedene Ansatzpunkte:

  • Prüfen Sie ggf. freiwillige Zusatzleistungen.
  • Mit Hilfe von Jahresarbeitszeitregelungen können saisonalen Schwankungen ggf. über­brückt werden.
  • Sind Auftragsrückgänge absehbar, sollte rechtzeitig die Anzahl der Mitarbeiter reduziert werden.
  • Eine Möglichkeit der kurzfristigen Überbrückung von Auftragsengpässen kann Kurzarbeit sein.
  • Regelmäßig sollten aber auch alle anderen betrieblichen Kosten hinsichtlich der Notwen­digkeit und Höhe überprüft werden. Kostenbereiche die in besonderem Maße Einspar­potenziale bieten sind z.B. ungenutzte Kapazitäten (Maschinen etc.), Fahrzeugkosten (Leasingverträge), betriebliche Versicherungen oder Beratungskosten.
  • Minimieren Sie ungeplante Ausgaben
  • Verschieben Sie wenn möglich geplante Investitionen

 

Gewinnrücklagen, Privatentnahmen und Zuführungen von Gesellschaftern

  • Damit erst gar keine finanziellen Engpässe auftauchen, sollten Sie frühzeitig (d.h. in „guten Zeiten“) Gewinnrücklagen bilden.
  • Kontrolle der Privatentnahmen: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften sollten Privatentnahmen auf das Notwendigste beschränkt werden. Ungeplante Privatentnahmen sollten auf jeden Fall vermieden werden.
  • können Liquiditätsengpässe durch Zuführungen bestehender oder neuer Gesellschafter überwunden werden. Dazu zählen u.a. Gesellschafterdarlehen, Kapitalerhöhungen oder Zuzahlungen in das Eigenkapital

 

Kurzfristige Bankkredite und Verbindlichkeiten

  • Auch die “Geschäftsverbindung“ zu Banken muss gepflegt werden. Transparenz und regelmäßige Bankgespräche können die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen.
  • Ausreichenden Kontokorrentkredit vereinbaren (ggf. Kreditlinien rechtzeitig aufstocken)
  • Umschuldungsmöglichkeiten nutzen, z.B. rechtzeitige Umwandlung der kurzfristigen in mittel- oder langfristige Kredite
  • Zahlungsfristen bei Rechnungen (z.B. von Lieferanten) so weit wie möglich ausnutzen
  • Zahlung dringender Verpflichtungen in Raten
  • Konkrete Vereinbarungen mit Hauptgläubigern treffen (z.B. Ratenzahlung)
  • Verhältnis zu Kleingläubigern regeln (Insolvenzantrag verhindern!)
  • Vergleich mit Gläubigern vereinbaren (notfalls gegen Besserungsschein)

 

Einige der oben genannten Maßnahmen sollten im Normalfall vermieden werden bzw. nur im äußersten Notfall durchgeführt werden, da die Nachteile einen möglichen Liquiditätsvorteil ggf. übertreffen. So kann die Bitte um Ratenzahlungen und Stundungen Geschäftspartner verschrecken, da diese Liquiditätsprobleme vermuten und oft keine weiteren Geschäfte mehr tätigen. Ähnliches gilt für die Erhöhung des Kundenskonto (Eilskonto). Auch hier können Geschäftspartner u.U. vermuten, dass man weitere Nachlässe gibt, weil Liquiditätsprobleme bestehen.

 

Langfristige Bankkredite

  • Umschuldung überhöhter kurzfristiger Verbindlichkeiten
  • Vereinbarung einer Tilgungsaussetzung bei Darlehen
  • Auffangdarlehen (z.B. bei zu kurzer Laufzeit öffentlicher Darlehen)
  • Tilgungsstreckung
  • Überprüfung der Zinssätze
  • Bei Finanzierung notwendiger Neuinvestitionen Tilgungsfreijahre vereinbaren (z.B. bei öffentlichen Darlehen)

 

Einige Hinweise in eigener Sache

Maßnahmen systematisch umsetzen

Wer Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität erfolgreich umsetzen möchte, sollte möglichst systematisch vorgehen und einige Regeln beachten.

Insbesondere für mittel- bis langfristige Maßnahmen sollten diese Punkte berücksichtigt werden:

  • Formulierung konkreter Ziele: Was soll mit dieser Maßnahme genau erreicht werden?
  • Bestimmung eines verbindlichen Termins: Bis wann soll das Ergebnis spätestens vorliegen?
  • Festlegung eines Verantwortlichen: Wer soll sich um die Realisierung kümmern?
  • Bestimmung bzw. Freigabe von (zusätzlichen) Ressourcen und Budgets (z.B. Kosten für Bonitätsprüfungen od. für andere Maßnahmen).
  • Bei längerfristigen Maßnahmen ggf. Festlegung von Meilensteinen (z.B. bei Einführung Factoring).

 

Erfolgskontrolle

Die Liste möglicher Maßnahmen ist umfangreich. Insbesondere bei den erst mittel- bis langfristig wirkenden Aktivitäten sollten Sie nach einer gewissen Zeitspanne prüfen, ob diese erfolgreich waren.

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, ca. 3 bis 6 Monate nach Abschluss einer Maßnahme zu analysieren, ob die erwünschten Effekte auch tatsächlich realisiert werden konnten. Die Maßnahmen sind kein Selbstzweck, sondern sollten immer auch die Liquidität verbessern.

 

Liquiditätsplanung – Diese Excel-Tools helfen ihnen

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